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Hermann Schwarzkopf

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Hermann Schwarzkopf schreibt hier über seine persönliche Meinung.

Russland: IT-Ausschreibungen scheitern mehr und mehr

von | Mai 24, 2022 | Global Supply Chain | 0 Kommentare

Russland erleidet durch die Sanktionen gerade bei Export aus dem Westen große Verluste. Das liberale russische Wirtschaftsblatt Kommersant hat in einem Artikel die aktuelle Lage bei den IT-Ausschreibungen analysiert.

Die auf Importe ausgerichtete IT-Branche merkt die ausbleibenden Exporte aus dem Westen

Es bezieht sich auf einen Bericht der elektronischen Handelsplattform RTS-Tender über die Statistik der durchgeführten öffentlichen Beschaffung (Einkäufe von Organisationen, die vollständig vom Staat kontrolliert werden, gem. Beschaffungsgesetz 44-FZ) im Bereich der IT vom 1. Januar bis 15. Mai 2022. Dem Bericht zufolge wurden in diesem Zeitraum 9,5 Tausend öffentliche Aufträge im Wert von mehr als 27 Milliarden Rubel nicht ausgeführt, während im gleichen Zeitraum des Vorjahres etwa 9 Tausend Aufträge im Wert von 24 Milliarden Rubel nicht ausgeführt wurden. Insbesondere wurden etwa 1,1 Tausend Aufträge für Telekommunikationsdienste, 704 Ausschreibungen für die Prüfung von IT-Lösungen und etwa 1,8 Tausend für die Verwaltung von Computerausrüstung nicht ausgeführt.

Am kritischsten ist die Situation im Bereich Design und Entwicklung im IT-Bereich: mehr als 2.000 Beschaffungen im Wert von 9 Mrd. RUB kamen nicht zustande, was einem Anstieg von 56 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.

Kommersant

Gleichzeitig ist die Zahl der abgebrochenen Beschaffungen in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr um 56 % gestiegen, so Vladimir Lishenkov, CEO von RTS-Tender: „Dies ist auf die allgemeine Abwanderung von IT-Fachkräften sowie den Abgang oder die teilweise Einstellung von Projekten durch ausländische Unternehmen zurückzuführen. Es gibt nur wenige hochwertige inländische Softwarelösungen“.

Am 22. März meldete der russische Verband für elektronische Kommunikation (RAEC), dass etwa 50-70.000 IT-Spezialisten das Land in der ersten Verlagerungswelle verlassen haben. Analystenschätzungen zufolge könnten im April weitere 100.000 Menschen das Land verlassen haben. Gleichzeitig haben fast alle großen IT-Unternehmen, darunter Microsoft, SAP, Oracle, IBM und Nvidia, den russischen Markt in den letzten drei Monaten verlassen.

Wie Alexey Smirnov, Vorstandsvorsitzender von Bazalt SPO, erklärt, umfasst die Beschaffung für die Entwicklung und Implementierung eines Informationssystems sowohl die Erstellung oder Anpassung von Software als auch den Kauf von Computer-Hardware und anderer Ausrüstung, auf der das System laufen soll: „Das ist das Problem – es gibt keine Ausrüstung, also übernehmen nur wenige Leute Auftragsarbeiten“.

Er betont, dass es nicht nur um Sanktionen geht, sondern auch um die Logistik und den weltweiten Mangel an Chips, die nach wie vor relevant sind.

Russland: Probleme beim Export durch Sanktionen? Weitere Gründe für IT-Knappheit

Ein weiteres Problem sind inflationsbedingte Risiken, fügt Herr Smirnov hinzu: „Der Auftragnehmer riskiert tatsächlich, mehr Geld für die Arbeit auszugeben, als er nach Erfüllung des Vertrags erhält. Ivan Begtin, Direktor von Information Culture, bestätigt, dass die Unterbrechung der öffentlichen IT-Beschaffung mit der allgemeinen Wirtschaftskrise zusammenhängt. Seiner Meinung nach wird sich die Situation noch mindestens ein Jahr lang verschlechtern, „vielleicht auch länger“. „Viele Produkte können nicht durch Importe ersetzt werden, nicht nur nicht schnell, sondern überhaupt nicht“, so der Experte. Zusätzlich erschwert wird die Situation seiner Meinung nach durch schrumpfende Budgets und die übermäßige Komplexität des staatlichen Beschaffungsprozesses selbst.

Ähnliche Einbrüche sind im privaten PKW-Absatz zu beobachten (Artikel: Russland: PKW-Ersatzteile um 30% teurer). Die Suche nach alternativen Lieferanten könnte für die meisten lokalen Abnehmer keine Lösung sein trotz erlaubten Parallelimporte (Artikel: Parallelimporte in Russland werden legal).

Niemand will die Lieferung von Geräten garantieren, ohne zu wissen, wo man sie kaufen und wie man sie importieren kann, meint ein Gesprächspartner der „Kommersant“ auf dem IT-Markt.

Kommersant

Anders als in der bereits erwähnten Automobilbranche leiden die staatlichen IT-Lieferanten anscheinend nicht nur an den zusammengebrochenen Ketten der Global Supply Chain, sondern auch noch durch die Abwanderung der Fachkräfte.

Andererseits sind die IT-Firmen nicht so stark auf die Versorgung von physischen Produktionsmitteln angewiesen wie andere Branchen. Denn die Software lässt sich nicht ohne Weiteres verknappen, lediglich die Folgedienstleistungen wie Updates oder Wartung sind von den Sanktionen verstärkt getroffen.

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